| 2002 | Dehler 021106 |
|---|
Leiter der Arbeitsgruppe Informationsgesellschaft
Ludwig-Maximilians-Universität München
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Über die Aufteilung der Bahn in Schienennetz und Bahnbetrieb scheint man sich inzwischen einig zu sein. Das Schienennetz soll Staatseigentum bleiben, während der Bahnbetrieb von Privater Hand geführt werden soll.
Die Verteidiger dieser Trennung, dazu gehören fast alle Parteien, sehen keine andere Möglichkeit für einen diskriminierungsfreien Wettbewerb auf den Schienen. Die Bahnchefs, die von der Diskriminierung profitieren, warnen meist vor dieser Trennung. "Zu komplex, mann kann nicht entbundeln". Gerhard Schröder und die Bahngewerkschaften haben sie dabei ebenfalls auf ihrer Seite.
Das Thema errinert an Diskriminierung durch Proprietäre Formate und Patentierung von Schnittstellen in der Software, aber auch in der Elektrotechnik.
Hier ein paar Verweise zum Thema, angeführt von Pro Bahn, ein Verein dessen Handlunspielraum und Ziele ganz entfernt denen des FFII ähneln. Pro Bahn hat natürlich ein paar Jährchen mehr Erfahrung und ist bedeutend grösser.
Bahnbetrieb und Software sind nicht ganz einfach zu vergleichen. Wären Schienen so billig zu vervielfältigen wie Sofware, wäre man vielleicht eher geneigt, das Netz ausschliesslich staatlich zu betreiben.
Weil aber Wettbewerbsprobleme beim Bahnbetrieb leichter zu veranschaulichen sind, will ich einfach mal experimentieren, ob es hier Analogien gibt.
Als die Schienen der Informationen könnte man die Leitungen, Standards und die sie implementierenden Schnittstellen (also auch die Software) betrachten . Die Informationen sind die Züge auf den Informationsschienen. Die Rechner würde ich mit den Rädern der Züge vergleichen. Sie haben also eine im wahrsten Sinne Untergeordnete Rolle, aber ohne sie rollt nichts.
Der Vergleich besagt nicht, das der Staat Softwareentwickler ihrer Arbeiten berauben sollte, oder das Softwareentwickler nicht arbeiten sollten, wenn sie keine Staatsaufträge haben. Der Vergleich besagt lediglich, das der Staat sich möglichst steuergeldersparend bemühen sollte, Rechte an Software zu erwerben. Er kann sie kostenlos Reproduzieren und so Infrastrukturell grosse Wirkung mit wenig Aufwand erzielen. In den Falschen Händen kann Software dagegen leicht lösbare Probleme in unbezahlbare Hürden verwandeln, wenn sie über Patentgesetze Monopolstatus erhalten.
Aber der Vergleich hinkt an manchen Stellen. Die Schieneninovation spielt nur eine geringe Rolle bei der Leistungsverbesserung des Bahnbetriebes. Aber wenn ich es mir recht überlege, die Innovation in der Software spielt neben der Interoperabilität auch eine geringe Rolle. Wir haben in den letzten Jahren ohne grundlegende Neuerungen grosse Fortschritte erreicht!
Ein weiterer Punkt, der Sofware von Schienen unterscheidet ist, dass Softwareentwickeln eine Kulturelle Ausdrucksform ist. Aber das spricht ja erst recht für freie Software.